Eskimotieren

Die Lebensversicherung des Kanuten

Rollen oder besser bekannt unter dem Begriff eskimotieren gehört zum Paddler Einmaleins dazu. Zumindest diejenigen, die es auf schnelle Gewässer zieht oder auf dem Meer paddeln, sollten das Eskimotieren beherrschen. Bekanntlich scheut der Paddler nichts mehr als das Wasser. Doch Spaß beiseite: das Beherrschen der Kenterrolle im Wildwasser, auf dem Meer oder bei einer Seeüberquerung ist eine kleine Lebensversicherung für den Kanuten. Vor allem bei kalten Wassertemperaturen kühlt der Körper bei einer Kenterung rasant schnell aus und die Kräfte schwinden enorm, bis das rettende Ufer je nach Entfernung schwimmend überhaupt erreicht wird. Wer alleine auf dem Wasser unterwegs ist, bei einer Kenterung keine fremde Hilfe hat und schlecht ausgerüstet ist – keine Schwimmweste und kein Neoprenanzug beispielsweise-, für den kann es eng werden. Leider ereignen sich immer wieder solche tragischen Unfälle.


Aller Anfang ist schwer
Der Saarländische Kanu-Bund bietet daher jeden Winter an drei Samstagabenden seinen Mitgliedern ein Eskimotiertraining im Schwimmbad an. Auch wenn es für die Verantwortlichen von mal zu mal schwieriger wird, ein geeignetes Schwimmbad im Winter zu bekommen. Ein Dank daher an die Stadt Saarlouis, die ihr Hallenbad zum wichtigen Eskimotiertraining zur Verfügung gestellt hat.
Unter fachkundiger Anleitung lernen die Kanuten die Rolle. Für die Anfänger geht es in das Nichtschwimmerbecken mit rd. 80 cm Wassertiefe. Die Könner gehen mit ihren Kajaks gleich ins tiefe Wasser und drehen sogar ohne Paddel. Zumindest ist das Wasser im Hallenbad rd. 24°C warm. Und das sind ideale Voraussetzungen, um das Eskimotieren zu üben. Vor allem für die Jugend.
Rein in das zuvor geschrubbte Boot, die Spritzdecke draufgemacht und dann die Anweisungen. Paddel auf die Seite legen, mit den Händen gut festhalten, die Oberschenkel fest unter den Süllrand des Bootes gepresst, leicht gebeugt, einmal Luft holen und schwupp, die erste Hälfte der Rolle geht wie von al-leine. 180°-Drehung, die Wasserwelt auf dem Kopf sieht ganz anders aus, lauter Beine, jetzt noch das Paddel richtig einsetzen, kräftig ziehen und dann den Hüftschwung ansetzen. Das Boot dreht nicht richtig auf und pendelt wieder zurück. Noch einmal, letzte Kräfte mobilisieren, leicht gebeugt und dann: ja, das Boot hat sich gedreht, aber die beiden Helfer an den beiden Enden des Kajaks haben kräftig unterstützt und am Paddel hat auch noch jemand gezogen. So könnte es gehen. Das Gefühl dafür ist zumindest schon mal da. Das Ganze Spiel noch einmal und noch einmal. Dann kommt der nächste an die Reihe. Nach drei oder vier Mal ist genug Wasser in den Ohren und der letzte Versuch war völlig miserabel. Der Griff zur Spritzdecke war instinktiv vorprogrammiert und der Ausstieg ebenso. Jetzt heißt es wieder Boot aus dem Wasser holen, leeren und den nächsten reinlassen. Das hat Kraft gekostet wie bei einer echten Kenterung auf dem Fluss, wenn das Boot voll Wasser ist und an Land muss. Die zweite Runde klappt schon besser. Trotzdem will das Paddel unter Wasser nicht so richtig zum Einsatz kommen. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, den Schwung der ersten halben Drehung mitzunehmen und sofort aufzudrehen. Naja, so einigermaßen und mit ein wenig Hilfe der anderen hat das Training heute funktioniert. Zumindest das Gefühl ist weg, bei einer Kenterung sofort aussteigen zu müssen. Auch wenn die Rolle nicht auf Anhieb klappt, so ist die Angst vor einer Kenterung ein wenig gewichen. Schon deshalb hat sich das Training gelohnt. Im Sommer, das ist schon ausgemacht, wird auch mal in freier Natur geübt. Wenn das Wasser warm ist und zum Baden einlädt. In der Gruppe macht’s dann zudem noch Spaß und man kann die Rolle spielerisch erlernen.

Es gibt Kanuten, die setzen sich ins Boot, eskimotieren an einem Trainingsabend das erste Mal und können es auf Anhieb. Naturtalent eben. Zu viel nachdenken und sich theoretisch vorstellen, wie es gehen könnte, ist meist der falsche Ansatz. Aber das ist individuell ganz unterschiedlich, genauso wie die vielen Facetten des Eskimotierens. Jeder Trainer hat andere Methoden und letztendlich geht Probieren über Studieren. Beim Eskimotieren allemal.

Historie

Das Eskimotieren kommt wie der Name schon sagt von den Eskimos bzw. Inuit. Für sie war die Kenterrolle überlebenswichtig, denn ein Aussteigen in das eiskalte Wasser der Meere hätte den sicheren Tod bedeutet. Es gibt kaum ein Volk, das diese Technik so ausgefeilt beherrscht. Wer beispielsweise an den grönländischen Kajakmeisterschaften teilnehmen möchte, muss ca. 30 Techniken des Eskimotierens oder besser gesagt des Sichwiederaufrichtens aus dem Wasser beherrschen.

Wer sich einige Techniken vor dem Ausprobieren anschauen möchte, ist unter www.youtube.com richtig.


Armin Neidhardt