Nachwuchskonzept

Hoffnungsschimmer:
Junge Menschen für den Kanusport begeistern


Der demografische Wandel macht auch vor den Sportvereinen hierzulande keinen Halt. Zwar haben die saarländischen Kanuvereine – zwölf an der Zahl – in den letzten Jahren insgesamt mehr Mitglieder gewonnen. Aber nimmt man die Zahlen etwas genauer unter die Lupe, so ist der Zuwachs in den vergangenen Jahren vor allem dem Drachenbootsport geschuldet. Schaut man noch genauer hin, sind bis auf einige Ausnahmen einmal abgesehen die jungen Nachwuchskräfte Mangelware. Und das gilt vor allem für die olympischen Disziplinen Kanu-Rennsport und Kanu-Slalom. Zwar gibt es traditionell in Dillingen und Saarlouis wieder starke Rennfahrer und in Merzig und Saarbrücken einige gute Slalomspezialisten, doch es könnten mehr sein, vor allem im Hinblick auf die Zukunft.
Klar, Kanusport ist keine Massensportveranstaltung, eher Randsportart, obwohl über 2.000 Kanusportler allein im Saarland in den Vereinen entlang der Saar und der Mosel organisiert sind. Die Kernfrage lautet schlichtweg: Wie kann man junge Menschen für den Kanusport gewinnen? Eine Sportart, die viele Vorteile vereint: Naturverbundenheit, Individual- oder Teamsportart, Wettkampf- oder Freizeitsport, Vielseitigkeit mit Rennsport, Drachenboot, Slalom, Freestyle oder Wandersport. Außerdem verfügt das Saarland über einen Leistungsstützpunkt in Saarlouis, gut ausgebildete Trainer, über die Vereine auch gute Kontakte zu anderen Clubs deutschland- und europaweit sowie über jede Menge Trainings- und Freizeitmaßnahmen speziell für junge angehende Kanuten.

Gezielte Förderung
Der Saarländische Kanu-Bund SKB hat im vergangenen Jahr ein so genanntes Nachwuchskonzept auf den Weg gebracht, das allmählich erste Früchte trägt. Im Mittelpunkt steht die Talentfindung und -förderung im Bereich Schüler und Jugend für den olympischen Kanusport. Drei Kanustützpunkte hat der SKB dafür entlang der oberen, mittleren und unteren Saar eingerichtet: Bei den Kanu-Clubs in Saarbrücken, Dillingen und Merzig. Die am jeweiligen Stützpunkt beteiligten Vereine stellen ihre Bootshäuser und das erforderliche Bootsmaterial kostenlos zur Verfügung. Außerdem erhält jeder Stützpunkt einen „Übungsleiter“. Das kann ein ausgebildeter Kanu-Trainer, ein Lehrer oder Student mit Lehrbefähigung Kanu sein. Die Rekrutierung potentieller Interessenten erfolgt über eine gezielte Ansprache an die saarländischen Schulen. Mindestens eine Trainingseinheit von 90 Minuten soll pro Woche an jedem Stützpunkt stattfinden, so die Mindestanforderung. Und erste Anfänge sind gemacht. Beim Saarbrücker Kanu-Club beispielsweise trainieren derzeit in drei Gruppen junge Paddler von der Montessori-Schule, dem Deutsch-Französischen Gymnasium und der Erweiterten Realschule Güdingen. Darüber hinaus gibt es eine Arbeitsgemeinschaft Kanu/ Drachenboot der Marienschule. In den kalten Wintermonaten gibt es zudem Lauf- und Krafttraining. Weitere Kooperationen mit Schulen wurden auch in Völklingen, Saarlouis, Dillingen und Merzig realisiert bzw. sind in Planung. Eine Win-Win-Situation, die sich auch für die Vereine auszahlen kann. „Denn wer erst einmal Lunte gerochen und das Element Wasser für sich entdeckt hat“, so Bernhard Schmitt als SKB-Vizepräsident für die Verbandsentwicklung und Nachwuchsförderung zuständig, „der meldet sich auch im Verein an.“
Das Konzept ist für die nächsten drei Jahre angelegt. Und dann will man sehen, was es gebracht hat. Durchaus möglich, dass auch einmal ein anderer Kanuverein Stützpunkt wird.

Nachwuchsarbeit in den Vereinen
Das Nachwuchskonzept sei eine wichtige Maßnahme in einem bunten vielseitigen Strauß, so Schmitt. „Entscheidend ist zudem, was die jeweiligen Vereine darüber hinaus bereit sind, in die Jugendarbeit zu investieren.“
Und da sieht es mancherorts gar nicht so schlecht aus wie in Saarbrücken, dem mitgliederstärksten Verein des SKB. Dort gehören Schnuppertrainings und die jahrelange Teilnahme am Ferienkalender zum guten Ton. Immerhin konnte man mit Pascal Neibecker sogar schon einmal den Juniorenweltmeister im Kanuslalom über den Ferienkalender entdecken. Aber nach dem Abitur, wenn es die jungen Erwachsenen wegen Studium und Arbeit in andere Regionen treibt, ist meistens das Ende der noch jungen „Paddelkarriere“ absehbar. Das ist der Lauf der Dinge.
Doch aufgeben gilt nicht trotz der vielen Unwägbarkeiten und der demografischen Herausforderung. Immerhin konkurrieren die vielen Sportvereine um die immer weniger werdenden jungen Menschen im Land. Aber: Die jüngsten Kanuten sind zwischen sechs und acht Jahre alt und fahren bereits leichtes Wildwasser. Sie haben die Lust am Paddeln für sich entdeckt und so bleibt zu hoffen, dass sie irgendwann in der Leistungsspitze mitfahren und an alte Traditionen im Saarland anknüpfen können. Doch bis dahin muss wohl noch viel Wasser die Saar hin-unterfließen.

Armin Neidhardt