Tour de Ruhr - von Rutschen, langen Anfahrtswegen und eitel Sonnenschein

Von wegen rauchende Schlote, Zechen und Stahlwerke, das Ruhrgebiet zeigt sich ganz von seiner grünen Seite. Der Fluss, der ihm den Namen gegeben hat, schlängelt sich durch viele Seen, mäandert an Wiesen und Weiden vorbei, mal gemächlich fließend, mal stehend. Für Abwechselung sorgen immer mal wieder die Bootsrutschen, die mittlerweile zwischen Witten und Essen überall eingebaut wurden. Die längste von ihnen steht in Hattingen mit 130 m Länge und 6 m Breite. Ansonsten heißt es durchweg umtragen und die Freude über einen Bootswagen an Bord ist verständlich. Und trotzdem: die Ruhr als Wanderfluss bietet alle Vorteile: zahlreiche Bootsclubs mit Übernachtungsmöglichkeiten, eine gut ausgebaute Infrastruktur mit Bahnlinien und vielen Autobahnen sowie Badespaß en masse am Ende der Paddeltour.
Wer die Wahl hat, hat die Qual, heißt es so schön im Volksmund. Und so dauerte es ein wenig, bis die saarländischen Kanuten sich auf eine entsprechende Bleibe für die SKB-Wanderfahrt Ende Juli geeinigt hatten. Mit dem KC Hagen direkt am Hengsteysee gelegen hatten wir einen schönen Standort mit Seeblick gefunden, der in den acht Tagen einzig und allein den Teilnehmern der Wanderfahrt vorbehalten war. Schließlich war der Standort strategisch so gewählt, weil die Wildwasserstrecke in Hagen-Hohenlimburg in unmittelbarer Nähe war, das Flüsschen Lenne sowie die Volme ohne weite Anfahrtswege. Letztere hatte allerdings nur wenig Wasser. Außerdem stand für viele Kanuten der Besuch beim Fachgeschäft Schroer in Unna auf dem Programm. Ja und kulturell kann man eh nicht meckern: vom Folkwang-Museum in Essen über die Krupp-Villa Hügel am Baldeneysee, die Zeche Zollverein bis hin zum Bergbaumuseum oder dem Freilichtmuseum in Hagen.

Tour de force

Der Wettergott tat sein Übriges und verwöhnte die Paddler mit viel, viel Sonnenschein. Manchmal wurde es allerdings in der Mittagszeit dem einen oder anderen auch ein wenig heiß auf dem Wasser. Die Ruhr nach dem Baldeneysee wird dann eher zu einer tour de force mit wenig Strömung. Zu empfehlen die Strecken zwischen Witten und Essen über Bochum-Dahlhausen. Für ein paar Unentwegte gab es dann noch die Lenne auf ca. 20 km Strecke bis zur Mündung in den Hengsteysee. Das Highlight für Wanderfahrer ist sicherlich die Durchfahrung der Wildwasserstrecke und auch im oberen Abschnitt sind ein paar schöne Stellen bei ordentlicher Strömung dabei. Schließlich hatte es in der Nacht zuvor im Sauerland kräftig geregnet und eine Befahrung überhaupt erst ermöglicht. Etwas Paddler-unfreundlich die beiden zu umtragenden Wehre, einmal gut und gerne 1 km, es sei denn, man traut sich das Wehr runter, sowie das Wehr kurz vor der Mündung mit ekelig glitschigen Steinen und müffelnden Wasser. Die Volme fiel bekanntlich ins Wasser, sie soll im oberen Bereich bei gutem Wasserstand recht sportlich sein. Im Programm stand noch die Lippe, wobei die Anfahrt von Hagen zwar weit, aber dennoch gut erreichbar ist.
Alles in allem eine schöne Wanderwoche mit vielen neuen und alten Eindrücken und vor allen Dingen mit viel Spaß an Bord. Teilgenommen haben im Durchschnitt 20 Paddler auf Ruhr und Lippe.