Worldmaster Games 2013 Turin - oder Auckland 2017 ich komme!!

Anfang August fanden in Turin die World Master Games (WMG) 2013 statt. Die WMG sind sozusagen die Olympischen Spiele für die Altersklasse und werden analog alle 4 Jahre ausgetragen. Auch in Turin wurde  - wie in Sydney 2009 mit unglaublichen 28000 Teilnehmern – die 20000 – Teilnehmergrenze übertroffen.

Die Eröffnungsfeier in Turin war ein großes Spektakel. Die Teilnehmer marschierten nicht als Nationen ein, sondern nach Sportarten sortiert. So hatte man schon gleich Kontakt zu den Konkurrenten und lernte auch noch die Teilnehmer des Rennsports und Marathons kennen. Kanurennsport wurde am Lago di Candia ausgetragen. Der Kanumarathon fand mitten in Turin auf dem Po in einem Rundkurs statt.

Es gibt mehrere Kernsportarten, zu denen auch der Kanusport gehört. Der Kanuslalom wurde bereits mehrmals durchgeführt, so auch dieses Mal. Die Strecke in IVREA ca. 50 km nördlich von Turin gelegen, war sehr anspruchsvoll und verlangte von den Sportlerinnen und Sportlern in den Altersklassen von 35+ bis 70+ alles ab!

Es nahmen über 100 Kanuslalom-Kanuten am Wettkampf teil, unter ihnen diverse Olympia-Teilnehmer. So starteten die Medaillengewinner der Olympischen Spiele von 1972 Norbert Sattler (Österreich) und Harald Gimpel (ehem. DDR). Den größten Anteil der aus 10 Nationen stammenden Teilnehmer stellte Deutschland mit 41 SportlerInnen. Organisiert über das Internet trafen sich die Deutschen Masters zu diversen Trainingslagern, unter anderem in Markkleeberg und Wettkämpfen, so geschehen Anfang Juli auf der Strecke in Ivrea. Auch wurde einheitliche Ausrüstung (Paddeljacken, Spritzdecken, Kombis, T-shirts, Poloshirts und Bootsaufkleber) beschafft, um auch nach außen hin als eine Mannschaft aufzutreten.

Auch zwei Saarländer starteten in Oberitalien. Wolfgang Ernst vom KV Saarlouis stürzte sich in der Altersklasse 70+  gleich in zwei Disziplinen im Kayak-Einer und im Canadier-Einer die künstliche Wildwasserstrecke auf der Dora Baltea runter. Der zweite Starter Jörg Blees vom Saarbrücker Kanu Club hatte in der Altersklasse 50+ mit 19 Teilnehmern die meiste Konkurrenz. Es wurden zwei Läufe ausgetragen, von denen der Bessere in die Wertung kam.

Im Rennen der Canadier-Einer 70+ war Wolfgang der einzige Starter. Es war auch schwer genug die Strecke im C1 zu bewältigen. Die Goldmedaille war sein Lohn für seinen Mut.

Bei den Kayak-Einer 70+ hatte Wolfgang mit Lutz Peiler aus Erfurt einen fast gleichwertigen Konkurrenten. Wolfgang bemühte sich in beiden Läufen alle Tore zu befahren, was ihm nur zum Teil gelang. Sein Konkurrent verzichtete aus taktischen Gründen gleich auf 2 Aufwärtstore, nahm die 100 Strafunkte für eine bessere Fahrzeit in Kauf und konnte sich so vor Wolfgang platzieren.

Das mit 19 Teilnehmern am stärksten besetzte Feld war das Rennen im Kayak der Altersklasse 50+. Da ich die Strecke durch einen Trainingsaufenthalt im April kannte und ich einen gehörigen Respekt davor hatte, habe ich mich erst in der letzten Woche vor Meldeschluss dazu durchgerungen mich doch zu melden. Dies war im Nachhinein eine richtige Entscheidung. Nach meiner Anreise hatte ich noch die Möglichkeit an drei Nationentrainings teilzunehmen und ich kam von Training zu Training immer besser mit der Strecke zu Recht. Mein Ziel war es im Wettkampf nicht letzter zu werden und keine 50 Strafpunkte zu kassieren. Im Training bereitete mir das Spritzwasser einige Sorgen, da ich fast nie ohne verrutschte Kontaktlinsen im Blindflug ins Ziel zu kommen. Gerade die Anfahrt zu Tor 2 führe zu diesen Problemen. Ich beschloss in diesem Bereich einfach mit geschlossenen Augen zu fahren. Im ersten Lauf funktionierte das tadellos und ich fuhr fehlerfrei bis zu Tor 12. Die Anfahrt zu Tor 13 hatte ich falsch beurteilt und schon schoss ich links vorbei – 50!! Nur Platz 13!

Nervosität verbreitete sich vor dem 2. Lauf. Ich wollte ja ohne Falschbefahrung ins Ziel kommen. Trotzdem begann es besser als im 1. Lauf. Eine tolle und schnelle Linie führte mich bis zu Tor 5 – einem Tor im „Flachwasser“, dass ich dann aus Übermut zu eng anfuhr und 2 Strafpunkte kassierte.  Mit Wut im Bauch ging es weiter. Alle Tore bis Tor 12 direkt und eng genommen. Ausfahrt aus Tor 12, jetzt konzentrieren, neue Anfahrt wählen – ja geklappt – Tor 13 NULL und ab geht’s. Nach einmal sicher den letzten Sprung hinunter zu Tor 19 – gut, noch konzentriert bleiben und alle verbliebenen Kräfte mobilisieren und ins Ziel! Super!!! Schreien, Paddel hoch reißen, vor Freude ins Wasser schlagen!!

Ich war mit dem Lauf sehr zufrieden. Sven Rottenberger aus Monheim, der meine Zeit im Auge hatte, rief mich gleich und fragte nach meinen  Strafpunkten. Später wurde mir klar warum! Ich paddelte mich noch aus, feuerte meine Konkurrenten beim Sprint ins Ziel noch an, stieg dann aus und ging zu den Ergebnissen! Platz 4 – Wahnsinn!  Ich war glücklich. Es siegte, wie erwartet, Sven Peiler (zig-facher DDR-Meister und noch immer in der LK startend) vor Jonathen Males aus England. Dritter wurde Sven Rottenberger. Ohne die unnötige Berührung des Tores Nr. 5 hätte es schlecht für Sven ausgesehen, dann  hätte ich mir die Bronze-Medaille verdient gehabt. Aber wir haben ja noch eine paar Wettkämpfe in diesem Jahr, bei denen ich mich „rächen“ kann.

Alles in allem war es tolles Erlebnis! Die mehrere Monate Vorbereitung hatten sich gelohnt. Immerhin hatte ich durch das Training 10 kg abgenommen. Das deutsche Team feierte am Abend nach dem Wettkampf und überfüllte mit fast 100 Personen (Sportler/Fans und Anhang) eine Pizzeria! Die ersten Bilder wurden ausgetauscht und ein Treffen anlässlich der German Masters im Oktober abgemacht, wo die Bilder und Videos gezeigt werden sollen.

Erste Überlegungen wurden angestellt, wie man wohl mit Boot nach Auckland/Neuseeland kommt und wie viel das wohl kostet?

Im Übrigen finden auch EMG’s (EUROPEAN MASTER GAMES) statt. 2015 in Nizza zum Beispiel! Leider gibt es hier keinen Kanuslalom! Aber Ocean-Canoe wird durchgeführt! Auch interessant! Aber in Auckland soll es einen neuen Wildwasserkanal geben. Wir werden sehen!!

Auckland 2017 – ich komme!

Jörg Blees

Weitere Saarländische Wassersportler waren am Start!!

Am Lago di Candia, wo auch die Ruderregatta ausgetragen wurde, traf ich dann einen anderen Saarländischen Teilnehmer der WMG. Carsten Bach, der Vorsitzende des RCS, hatte zwar im Einer, da man nur als Sieger im Vorlauf ins Finale kam, mit Platz 2 keine Chance, aber es gelang ihm mit einem australischen Partner im Zweier doch eine Silber-Medaille mit ins Bootshaus in die Hindenburgstraße zu bringen.